Martina Hainer, Caritas Moosach


Menschen durch soziale Arbeit professionell beraten und begleiten, befähigende Hilfe zur Selbsthilfe leisten, Not sehen und handeln, Nah. Am Nächsten – nicht nur im Jahr der Barmherzigkeit?
Mehr als tausend Schicksalen sind wir in rund zwanzig Jahren in der Beratungsstelle der Caritas an der Leipziger Straße begegnet. Sich auf den einzelnen Menschen, der uns gegenübersitzt, einzulassen, ist Auftrag und Herausforderung. Echtes Verständnis und Vertrauen kann nur entstehen, wenn es gelingt, wirklich zuzuhören, sich eigener Wertmaßstäbe und (Vor-)Urteile bewusst zu sein, ohne sie dem Gegenüber überzustülpen.
Wer an die Beratungsstelle kommt, erwartet professionelle Beratung, Hilfe, Information, Unterstützung. Das kann Hilfe bei der Beantragung von sozialen Leistungen, „Übersetzung“ eines Behördenbriefes vom „Amtsdeutsch“ in verständliche Sprache, Anmeldung zur Schuldnerberatung, Vermittlung zur Suchtberatungsstelle, ein Ausweis für die Moosacher Lebensmittelausgabestelle der Münchner Tafel, ein Berechtigungsausweis für „St. Martins Kleidertruhe“ bei uns im Keller oder um finanzielle Hilfe zum Schulanfang sein. Oft ist das Anliegen klar, der Lösungsweg eindeutig. Manchmal aber wäre das bloße In-die-Hand-drücken einer materiellen Hilfe eine zwar schnelle, aber geradezu „unbarmherzige“ Lösung, ein „Abspeisen“. Oft geht es darum, in einer längeren Begleitung gemeinsam ein tragfähiges Lösungsnetz zu entwickeln, das nicht bei der ersten Belastung wieder reißt.
Es gibt in unserem Stadtteil, in unseren Gemeinden sehr unterschiedliche Lebenswelten – manchmal erst auf den zweiten Blick erkennbar. Den meisten geht es materiell gut, sie haben genug Platz zum Wohnen. An unsere Beratungsstelle kommen überwiegend Menschen, die existenzielle Sorgen haben, teilweise sehr beengt wohnen. Schnelle Lösungen aus sozialarbeiterischer Sicht gibt es hier selten. Auch die Wirkung sozialpolitischer Maßnahmen braucht Zeit.
Und was hat das mit Barmherzigkeit zu tun?
Sie ist dort zu finden, wo Problemlagen nicht ausschließlich nach „Schema F“ behandelt werden, sondern wo Ermessens-spielräume ausgeschöpft werden und gemeinsam nach persönlichen Lösungen gesucht wird.
Sie zeigt sich da, wo nach Möglichkeit aus dem Rat-geben und Rat-nehmen ein „Sich-beratschlagen“ werden kann.
Sie kann dort entstehen, wo Begegnung auf Augenhöhe angesagt ist, wo aus dem „Hilfe-Empfänger“ und „Bedürftigen“ ein Teilhaber wird.

Martina Hainer, Caritas Moosach

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