Flüchtlingshilfe: Ankommen - Angekommen

Am Anfang dachte Frau K. aus Afghanistan, Englisch sei die "German language", die Sprache, die in Deutschland gespro-chen wird. Denn es waren vor allem englische Wörter, mit denen versucht wurde, ihr die ersten wichtigen Informationen in München zu geben. Seit 3 Monaten ist die junge Frau mit ihrem 9-jährigen Sohn in München, lebt mit mehreren Familien in einem Zimmer in einer Notunterkunft. Mittlerweile versteht sie bereits einige Sätze Deutsch, ihr Sohn besucht eine Grundschule.
An unsere Beratungsstelle der Caritas in Moosach kam sie zusammen mit Frau S., ebenfalls aus Afghanistan, die bereits seit 2002 in München lebt. Sie wollte nach dem Abitur in ihrer Heimat Pharmazie studieren, der Krieg aber hatte ihre Zukunftspläne zunichte gemacht. Frau S. ist mittlerweile hier in Moosach angekommen, kann sich neben ihrer Muttersprache Dari auch gut englisch und deutsch verständigen, fühlt sich wohl im Stadtteil. Nichtsdestotrotz: In beiden Familien haben die Kriegserlebnisse schlimme körperliche und seelische Narben hinterlassen. Für Frau K. ist es ein Glücksfall, Frau S. über die Schulklasse ihres Sohnes kennengelernt zu haben: Durch sie bekommt sie Informationen und vor allem Ermutigung.

Das Bild im Büro der Moosacher Caritas wurde von einem Künstler gemalt, der als Flüchtling in den 1990er-Jahren in der damaligen Unterkunft in der Triebstraße lebte.

Im Lauf der Jahrzehnte ist das Wartezimmer der Caritas "bunter" geworden – Zuwanderung und Flucht haben dazu geführt, dass wir in der Beratung Menschen begegnen, die in München, in Ostdeutschland, im Irak, in Syrien, in Afghanistan, in Nigeria, in Vietnam, im ehemaligen Jugoslawien, in Italien, in Griechenland, an vielen weiteren Orten geboren wurden. Sie alle verbindet, dass sie hier im Stadtteil wohnen und leben, in den Kindergarten oder zur Schule gehen, hier arbeiten, alt werden. So verschieden sie auch sein mögen, wir stellen immer wieder fest: Der Wunsch nach Sicherheit, Gesundheit, Zuneigung, Respekt ist bei allen gleich.
Neu in München ankommende Flüchtlinge werden in den Notunterkünften und Erstaufnahmeeinrichtungen vor Ort von hauptamtlichen Betreuungs-Teams und vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern begleitet. "Miteinander leben in Moosach" heißt der Zusammenschluss, in dem sich Helferinnen und Helfer verschiedener Einrichtungen in unserem Stadtteil zusammen finden. Bei der Caritas gibt es den Flüchtlingsdienst "ALVENI", der auch die hauptamtliche Betreuung der geplanten Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in der Triebstraße in Moosach übernehmen wird. Caritas und St. Martin in Moosach werden zu einer Info-Veranstaltung einladen, wenn der Bezug der Einrichtung (voraussichtlich Frühjahr 2016) absehbar ist.

Martina Hainer, Caritas Moosach

Weitere Infos zum Engagement für Flüchtlinge: www.willkommen-in-muenchen.de

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