Björn Wagner,
Pfarrvikar


Zum 1. September konnte die offene Pfarrvikarsstelle mit Herrn Björn Wagner besetzt werden. Die Pfarrbrief-Redaktion hatte die Gelegenheit, ihm vorab ein paar Fragen zu stellen, und die hat er sehr ausführlich beantwortet – vielen Dank dafür:

Pfarrbrief-Redaktion (PR): Lieber Herr Wagner, bitte stellen Sie sich kurz vor.
Björn Wagner (BW): Vor 37 Jahren wurde ich in Bamberg geboren, dort wuchs ich auf und da ging ich zur Schule. Studiert habe ich in München und in Rom. Nach dem Studium war ich Mitarbeiter am Lehrstuhl für Dogmatik und Ökumenische Theologie bei Prof. Stubenrauch – eine zwischenmenschlich und akademisch sehr gute Zeit, hat viel Freude gemacht. Nach dem Unileben ging´s nach Traunstein. Mit Georg Lindl, dem Leiter der Stadtkirche, verbindet mich seitdem eine Freundschaft; er ist auch der gewesen, der mich in der Predigt geschult hat. Aus Traunstein bin ich schwer weggegangen Richtung Mühldorf am Inn. Da gab es dann ein gutes Miteinander mit meinem (ebenso wie ich Pfeife rauchenden) Chef Roland Haimerl – einem Pfarrer, der schon etliche Priester unseres Bistums begleitet hat. Ich war für St. Peter und Paul Ansprechpartner, aber präsent in allen sechs Pfarreien der Stadtkirche. Mühldorf und seine Menschen sind wohltuend. Eine gute Zeit war das da. Nun wieder Abschiedsstimmung....
PR: Wo liegen Ihre inhaltlichen Schwerpunkte im Beruf?
BW: Ich bin in der Dogmatik daheim; das Diskutieren und Ringen um Inhalte des christlichen Glaubens ist wichtig. Es geht hier nicht unbedingt um intellektuelle Luftsprünge, um elitäres Gebaren im theologischen Reden. Es geht darum, Sprachformen zu finden, wie der Glaube der Kirche in seiner ganzen Breite verständlich und plausibel ausgedrückt werden kann. Da ist auch das sprachliche Experiment wichtig.
Die Ökumene ist hier wiederum ein eigenes Feld; mein Heimatpfarrer Dr. Förch (geweiht 1970) war in seiner Zeit gewiss ein ökumenischer Pionier. Vieles, worin ich in Jugendzeiten mit ihm uneins war, ist mir nach und nach als menschliche und theologische Klugheit aufgegangen. Ich freue mich auch deshalb, in das olympische Dorf zu kommen, denn hier wird vieles von dem nun konkret, womit ich mich seit langem beschäftige.
PR: Warum sind Sie Priester geworden?
BW: Gegenfragen: Warum heiratet man und warum bleibt mancher allein? Warum läuft ein Menschenleben so und nicht anders? Kurz: Viele Zufälle, etliches Nachdenken, manche Entscheidungen und viel Fügung sorgen für das, was wir Biografie nennen. Und insofern ist jedes Dasein Wagnis und Versuch, das für sich Passende zu finden.
PR: Haben Sie Hobbys?
BW: Bücher sind mir wichtig. In ihnen ist Leben greifbar. Wer Menschen mag, der liest – über sie in Biografien, mit ihnen in deren Ausführungen und Überlegungen. Das Lesen schärft den Blick und lenkt das Denken auf eine Vertiefung in Sichtweisen, die einem Christen vielleicht sogar fremd sind; das Lesen lehrt Verständnis für andere, divergierende Lebensentwürfe und Weltanschauungen. Lesen schenkt auch in einsamen Stunden eine unsichtbare Gemeinschaft zwischen dem Leser und dem Autor – denn er schreibt ja, um gelesen zu werden. Insofern ist Lesen eine Form des unsichtbaren Respekterweises.
J. S. Bach habe ich gern, sodass man sagen könnte: „Kein Tach ohne Bach!“ Ebenso habe ich eine Schwäche für alte Autos, besonders für meinen Käfer, Baujahr 1956 – mein Sommer und Freizeitspaß in der fränkischen Heimat. Architektur und Kunst kommen da auch noch dazu.
PB: Was sind Ihre Erwartungen, Hoffnungen und Wünsche für Ihre Zeit bei uns?
BW: Dass es eine gute Zeit wird; dass wir voneinander lernen; dass wir Geduld miteinander haben; dass wir streiten können und uns trotzdem auf ein Glas Wein danach freuen; dass wir die Fähigkeit zum Kompromiss haben; dass wir Fortschritte im Glauben machen; dass wir in der Barmherzigkeit wachsen; dass wir Freiheit gewähren und sie uns nehmen; dass wir uns um Diskretion, Unterscheidung und Trost bemühen; dass wir Jesus stets alles zutrauen.
PB: Was sind Ihre Pläne und Visionen mit uns?
BW: Ich mag Helmut Schmidt ganz gern; seine Sicht von Visionen ist bekannt: Wer welche hat, darf zum Arzt. Ich finde mit Jesus, dass jeder Tag genug eigene Plage hat. Und ein gewisses „in den Tag hinein leben“ kann ganz schön fordernd sein. Von meinem Heimatpfarrer habe ich einst ein paar Zeitplanungstipps bekommen, die sich als richtig herausgestellt haben: Termine im zweieinhalb-Stunden-Rhythmus – denn es kommt immer jemand, der zwischendrin Zeit braucht.
Pläne – wenn man sie so nennen will – sind gewisse Angebote an Studenten aus dem Dorf. Da will ich Zeit investieren. Mal schauen, was da geeignet ist, was da geht. Und dass viele bald das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius auswendig können: Das ist für mich ein entscheidender literarischer Ort von Weisheit und Klugheit.
PB: Das hört sich ja alles richtig interessant an. Wir freuen uns auf Ihre Ankunft, und bedanken uns ganz herzlich für diese ersten Informationen.

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